Über Reisen, Yoga und das Mensch sein

Hot’n’Cold

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Nachdem die Füße gestern doch etwas beschädigt wurden, hatte ich mir heute eine Tagestour zum Bryce Canyon vorgenommen.

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Bevor man im Bryce Canyon angelangt, passiert man noch einen andern Canyon, dessen Name mir gerade nicht einfällt. 🙂

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Die Fahrt in den momentan doch recht kühlen Canyon dauerte ca. 2 Stunden, nach der ich wie erhofft einen schneebedeckten Bryce vorfinden sollte.

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Über die völlig freien Straßen fuhr ich an meterhohen Schneehaufen vorbei.

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Am “Sunset Point” parkte ich mein Auto, packte mich dick ein und stiefelte los.

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Vom “Sunset Point” ging ich zunächst an der Kante entlang zum “Sunrise Point”, an dem der “Queens Garden Trail” bzw. der “Navajo Loop Trail” starteten. Das Ende des Rundgangs befindet man sich dann wieder am “Sunset Point”.

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Das Wetter war zwar heute etwas bedeckt und hin und wieder schneite es etwas, aber es war nicht zu kalt und sehr angenehm zu laufen.

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Die Formationen, die wir vor fast acht Jahren fotografiert hatten, waren alle noch vorhanden. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass der Zahn der Zeit gewaltig an den Steinen nagt. Ob das ein ganz natürlicher Prozess ist, oder ob er durch Umweltverschmutzung verstärkt wurde ist mir allerdings nicht klar. Natürlich kann der Eindruck auch täuschen, weil es beim letzten Mal brüllend heiß war und der Schnee halt fehlte.

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Bei diesem Rundgang beschloss ich die Queen endlich abzulichten. Vor acht Jahren haben wir sie glatt übersehen.

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Die letzten 1,4 Meilen lagen vor mir und ich freute mich schon auf die steilen Serpentinen am Ende der “Wall Street”, die beim letzten Besuch unerträglich heiß waren.

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Diese Mal sollte aber alles ganz anders kommen.

Plötzlich entstand ein durch Wind verursachtes Fauchen, was immer deutlicher wurde. Der Schneefall nahm etwas zu und ich packte die Kamera ein, weil mich plötzlich ein ungutes Gefühl beschlich.

Die Tasche war noch gar nicht ganz verschlossen da brach das Chaos auf mich ein. Ich befand mich innerhalb weniger Minuten in einem Schneesturm, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Der Schnee peitsche mir und die Ohren und ich lief so schnell ich konnte. Der Weg vor mir begann mehr und mehr im Schnee zu versinken und ich hatte arge Befürchtungen, das er bald ganz verschwinden würde. Die Sichtweite betrug zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als 6-7 Meter.

Nach einer schier endlosen Zeit erreichte ich endlich die “Wall Street”. Das Ende konnte also nicht mehr weit sein. Der Haken waren allerdings die steilen Serpentinen. Dort angekommen war kein Weg mehr erkennbar, höchstens noch erahnbar.

Ich traf auf zwei deutsche Frauen mit einem kleinen Jungen, die sich ebenfalls die Serpentinen hochkämpften. Wir kamen ins “Gespräch” und “gingen” den Rest des Weges zusammen. Oben wartete bereits einer ihrer Männer. Er fragte mich, wo mein Auto stehen würde und ob ich wohl ein paar Leute von Ihnen mitnehmen könne. Sie hatten wohl ein Auto am “Sunrise Point” geparkt, der jetzt zu Fuß die Hölle gewesen wäre.

Die beiden Frauen und der Junge stiegen also bei mir ein, nachdem ich meinen Wagen freigegraben hatte. Innerhalb einer knappen Stunde hatte es in etwa 10cm Neuschnee gegeben und es nahm kein Ende. Der Mann im anderen Auto half mir noch meine Frontscheibe schnee- und vor allem eisfrei zu bekommen, danach machten wir uns auf den Weg.

Wo dieser Weg allerdings genau war konnte man nicht mehr wirklich erkennen.

Nachdem ich die drei an ihrem Auto abgeliefert hatte, versuchte ich irgendwie diesem Unwetter zu entkommen. Mit 5-10 Metern Sicht war das alles andere als angenehm.

Den Parkausgang mit dem Wärterhäuschen habe ich nicht mehr gesehen. Es kann allerdings sein, dass ich einen Wirtschaftsweg gefahren bin. Ich bin einfach den erstbesten Reifenspuren in die richtige Richtung gefolgt.

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Im kleinen Ort vor dem Canyon angekommen überlegte ich, ob ich lieber hier bleiben sollte, hatte aber die Befürchtung, dass mir der Wagen dann ganz einfrieren  würde. Die Scheibenwischer fingen schon jetzt an zu vereisen.

Mit Warnblinkanlage und Schneckentempo versuche ich irgendwie auf der Straße zu bleiben. Nach einer gefühlten Ewigkeit und ein paar Höhenmetern tiefer, besserte sich die Situation etwas und im Radio lief “Hot’n’Cold” von Katie Perry – wie passend 😉

Das Navi bekam dann auch wieder GPS Empfang und nach und nach entkam ich diesem Tohuwabuhu.

Aus der Ferne konnte ich das Spektakel immer noch beobachten. Es sah aus wie eine weiße Heuschreckenplage. Als würde eine weiße Wolke den gesamten Canyon verspeisen wollen.

So etwas möchte ich beim besten Willen nie wieder erleben!

Im Zion Canyon, durch den ich vom Osten her wieder hindurchfuhr, hatte es anscheinend auch geschneit.

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Die Straßen waren allerdings nur noch nass. Die Bäume hingegen wirkten, als ob sie jemand mit einem monströsen Pinsel mit Zuckerguss betrichen hätte. Dieser Anblick hat für alles entschädigt.

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Mann, was für ein Tag! Mit einem großartigen Hamburger in Oscar’s Cafe wurde er schließlich gebührend beendet…

Jens

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