Über Reisen, Yoga und das Mensch sein

Mach’s nochmal Jens

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Im letzten Jahr habe ich ja auf dem Observation Point Trail meine Höhenängste voll ausgelebt, es aber letztendlich bis zum Ende geschafft. Heute wollte ich probieren, ob meine Höhenangst besser, oder vielleicht sogar ganz verschwunden ist.

Es ging also wieder einmal auf den langen ca. 4,5 Stunden dauernden, körperlich anstrengenden, nervenaufreibenden, aber unglaublich schönen Observation Point Trail.

Von einem Mädel an der Rezeption hatte ich gehört, dass sie vor einer Woche noch umkehren musste, weil der Weg stark vereist war. Eine Woche ist eine lange Zeit und es ich ja auch schön warm geworden dachte ich mir und zog los.

Nach ca. einer Stunde kam dann das Unvermeidliche:

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Ein Schneebrett. Und was für eins. An der gleichen Stelle wie letztes Jahr, nur dieses Mal und ein vielfaches größer und stark vereist.

Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und ging ein paar Schritte.

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Es hatte aber überhaupt keinen Zweck und selbst dieses kleine Stück war auf dem Rückweg schon recht knifflig.

Niedergeschlagen stand ich an der Gabelung zwischen Hidden Canyon und Observation Point, bis zwei Männer locker durch den Schnee gelaufen kamen. Ich traute meinen Augen nicht. Als ich sie ansprach sagten sie mir, dass sie sich Spikes für die Schuhe in Springdale bei der Zion Adventure Company geliehen haben. Man könne es kaum glauben, aber man würde wie auf normalem Asphalt damit über Schnee und Eis laufen können sagten sie mir.

Ich dachte nur : “Du Berg besiegst mich heute nicht!” und ging zurück.

Auf nach Springdale “to grab some serious gear”.

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Bestens ausgrüstet schwebte ich nur so über das Eis. Es ist wirklich nicht zu glauben, was diese Spikes bewirkten. Sie borten sich durch alle, was aus gefrorenem Wasser bestand und man hatte das Gefühl als wäre Sekundenkleber unter den Schuhen.

Leider können die kommenden Fotos nicht im geringsten wiedergeben, welche Welt sich im Echo Canyon & Co vor meinen Augen aufbaute. Das war beim besten Willen schwer zu toppen!

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Mit “Jingle Bells” auf den Lippen zog ich völlig be- und entgeistert weiter.

Ich wusste ja, dass mein Nemesis – die drei großen Serpentinen mit dem 500m Abgrund – noch auf mich wartete…

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Da war sie. Die berühmte letzte Kurve, bevor die “Switchbacks” beginnen:

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…und schon stand ich wieder im Freien. Soll ich Euch etwas sagen? Ich fühlte mich zwar nicht sonderlich wohl, es ansonsten machte es mir nichts aus. Endlich hatte ich meine Angst für Höhen im Griff. Der Observation Point war wieder einmal und endgültig besiegt! Ich wäre vor Stolz fast geplatzt.

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Weiter ging es bis zur Mesa auf der Spitze, wo mich wieder einmal reichlich Schlamm und Schnee erwartete.

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Ich hatte es wieder einmal geschafft!!

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Hier erkennt man recht gut die Klippe. Zum Vergleich: Das Ganze völlig ohne Bäume und noch steiler findet man beim Ablaufen der Switchbacks:

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Das Schneebrett über das ich mit meinen Siebenmeilenstiefeln gegangen bin:

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Die Höhe betrug ca. einen Meter.

Müde, erschöpft, aber irre glücklich futterte ich mir noch etwas im Whiptale Grill, der dann heute doch geöffnet hatte und beschloss damit einen wunderbaren Tag.

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Danke Zion, Du Schöne!

Mehr (und größere) Fotos gibt es unter https://goo.gl/photos/5nx37KRp56UvE9aX6

Jens

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